Q&A Series 2015: New Jersey Devils
2015-05-10Seit vier Jahren ist Martin Muhrer der General Manager der New Jersey Devils in der NFHL und hat seiner Mannschaft in diesem Zeitraum ein völlig neues Gesicht verpasst. Mit den folgenden Fragen soll Licht ins Dunkel des Face-Lifts gebracht werden und Entscheidungen der Vergangenheit als auch Zukunft klarer werden.
Die New Jersey Devils sind seit Saison 14 unter ihrem Regiment. Wie würden Sie die bisherige Zeit in sportlicher Hinsicht bewerten?
Für mich war es sehr schwierig eine klare Linie festzulegen, eine Marschrichtung auszugeben, einen Plan zu entwickeln, den wir über einen sehr langen Zeitraum mit gutem Gewissen verfolgen können. Die ersten Monate standen größtenteils unter dem Motto „Umstrukturierung“ – ich habe damals ein sehr altes Team übernommen, deswegen stand eine kleine Verjüngungskur ganz oben auf der Prioritätenliste – diese Kur hält bis heute an, der Fortschritt ist aber in den letzten Jahren immer erkennbarer geworden. Schlussendlich war es, auch wenn es unseren Rebuild etwas behindert hat, eine wahre Freunde, zwei Mal in Folge gegen die Bruins in den Playoffs anzutreten. Zwar konnten wir kein einziges Spiel gewinnen, aber für so ein Team wie uns waren auch die 2+ Mio Bonus sehr wichtig – in Zukunft werden wir diese vier Millionen sicher sinnvoll einsetzen zu wissen. Overall bin ich mit den letzten vier Jahren zufrieden, nicht sehr zufrieden, weil man rückblickend immer Entscheidungen hinterfragt, eventuell andere Wege eingeschlagen hätte oder sich in manchen Situationen mehr Zeit gegeben hätte. Aber – ich segle mit einem ruhigen Gemüt in die sportliche Zukunft, denn der Rückenwind, welchem mein Team erzeugt, wird immer stärker.
Sie sprechen von einem erkennbaren Fortschritt, sind zufrieden und einem stärker werdenden Rückenwind, aber dennoch hat ihr Team diese Saison einen negativen Rekord aufgestellt. Weniger Punkte als diese Saison haben die New Jersey Devils noch nie erzielt. Wie kommen Sie zur Ansicht, dass der Rückenwind angeblich stärker wird?
Man muss unsere Ziele im Hinterkopf behalten, sich vor Augen führen, wie dünn die New Jersey Devils bei meiner Übernahme bestückt waren. In den letzten vier Jahren wurde viel Aufbauarbeit betrieben, viel Zeit in Scouting investiert. Die Ergebnisse, die Resultate stellen uns zufrieden. Stand Heute verfügen wir über viel Jugend, was vor vier Jahren keinesfalls der Fall war, die in naher oder mittelfristiger Zukunft eine tragende Rolle in unserem Team spielen wird. Natürlich kann man auf die Tabelle blicken und sagen: „Mist, keine 80 Punkte – totaler Fail in Newark“ – wir, ein Team das andere Ziele verfolgt, sind mit der Entwicklung des Rosters sehr zufrieden.
Hier muss man aber auch klar festhalten, dass bis auf Tanner Pearson keiner ihrer Draftees den Sprung ins Team der Devils bislang geschafft hat. Was macht sie so sicher, dass sie den Rückstand aufgeholt haben bzw. aufholen werden?
Korrekt, bisher hat nur Tanner eine tragende Rolle bei den Devils gespielt, aber das wird sich kommende Saison grundlegend ändern. Nicht weniger als vier Spieler werden den Sprung von den Kelowna Warriors zu den Devils wagen und wir haben keine Zweifel, dass diese Spieler gute bis sehr gute „regulars“ unseres Line-Ups sein werden. Zusätzlich werden nicht weniger als acht Prospects mit einem „entry level contract“ ausgestattet, zwei davon könnten in 2,3 Jahren bereits im Pro-Team am Eis stehen und selbst dann ist der Prospect-Pool noch immer nicht erschöpft. Sie sehen, wir stehen gerade in der kommenden Offseason vor einem großen Umbruch, der auch im Sommer 2016 seine Fortsetzung finden wird.
Das heißt, dass sich das Team und seine Anhänger auf weitere Jahre außerhalb der Play-Offs einrichten muss. Sie sprechen stetig von Entry-Level-Contracts, 2-3 Jahren und Umbrüchen. Sollen diese Wörter irgendwann aus dem Sprachgebrauch verbannt werden?
Natürlich soll es das Ziel sein, sich irgendwann in höheren Tabellenregionen anzusiedeln, aber so weit sind wir noch nicht. Wir werden weiterhin unseren langen, schweren Weg des Rebuilds gehen und wenn es bedeutet, dass wir noch weitere Jahre im Keller sind, dann müssen wir das auch so hinnehmen. Schlussendlich ist unser Team einfach noch nicht soweit, um mit ein paar Verstärkungen eine empfindliche Leistungssteigerung an den Tag zu legen. Das Fundament ist gelegt, Teile des Erdgeschosses stehen, aber wir arbeiten immer noch an den weiteren Ausbaustufen.
Füllen Sie die Worthülsen mit Inhalt! Wer ist das Fundament! Auf wen wird in New Jersey gebaut?
Wir sind der Ansicht, dass wir auf jeder Position über zumindest einen Fixpunkt der Zukunft im Kader haben. Wir halten viel von Goalie-Prospect Eric Comrie, der gerade seine erste volle Saison in der NMHL mit Kelowna zu Ende gebracht hat. Defensiv setzen wir große Stücke auf „unseren“ Morgan Rielly, der aber durch weitere, sehr gute Defender ergänzt werden soll. Uns kommen da Namen wir Ian McCoshen, Andrej Sustr oder Steve Santini in den Sinn. Gerade in der Defensive sind wir unserem Erachten nach sehr gut aufgestellt. Im Sturm? Auch da gibt’s absolut „geiles“ Material – angeführt von Adam Henrique und Bo Horvat, dem Ryan Kesler 2.0, über Tanner Pearson und Vincent Trocheck bis hin zu den Supertechnikern Sonny Milano und Nikita Scherbak – ja, wir sind überzeugt von unserem Fundament.
Auffällig ist, dass neben dem 18th OV 2012 (Mark Jankowski) ein weiterer Name in ihrer Aufzählung fehlt: Martin Muhrer. Sind sie ein Teil des Fundament oder eher der Faktor, der das Fundament hin und wieder bröckelig erscheinen lässt?
Mark hat die zwei Jahre nach seinem Draft etwas unter den Erwartungen gespielt, was seinem „Rating“ etwas wehgetan hat, eine tolle Saison kann das aber schleunigst wieder ändern. Fakt ist, Mark wird auch weiterhin alle Chancen haben, sich zu profilieren und um die hohen Erwartungen, die in ihn gesetzt wurden, zu erfüllen. Natürlich zähle auch ich mich zum Teil des Fundaments, auch wenn ich mich zusätzlich als den Architekten bezeichnen würde, der die Fassade keinesfalls bröckelig erscheinen lässt, vielmehr hier eine neue Wand aufzieht und da nochmal Beton nachfüllt.
Beton anrühren ist ein gutes Stichwort. Die Torhüterposition war diese Saison bereits ein Schwachpunkt und mit Martin Brodeur steht nur ein alter Schatten seiner Selbst für kommende Runde unter Vertrag. Während Eric Comrie zwar Talent besitzt, so stellt sich die Frage wen oder gar was die Devils in Kürze ins Tor stellen oder legen.
Es ist kein Geheimnis, dass wir die Torhüterposition als unsere Achillesferse ansehen. Gerade aus diesem Grund haben wir genau hier über die Free Agency etwas nachgebessert und hoffen, dass sich neben Eric Comrie ein anderer Goalie für einen zukünftig vakanten Job aufdrängt. Kurzfristig gesehen werden wir uns aber nach günstigen Lösungen umsehen – nur so viel – für die kommende Saison sind die Torhüterspots bereits vergeben und Marty wird sein allerletztes Jahr in der Liga definitiv genießen.
Hinter vorgehaltener Hand gelten sie in Trainerkreisen als Coachkiller. In vier Spielzeiten haben sie mit Jacques Lemaire, Alain Vigneault und Lindy Ruff bereits drei Trainer beschäftigt und gleich zu Beginn sich von Rick Tocchet getrennt. Haben sie auch hier bereits eine Entscheidung gefällt und bringen ein neues Eisen ins Spiel?
Diesen Beinamen müssen wir uns definitiv gefallen lassen. Es gab in den letzten Jahren aber immer wieder gute Gründe, um sich von den Trainern zu trennen. Alain Vigneault’s Problem war, dass er mit anderen Teams sympathisiert hat – ein unvertretbarer Faktor. Seit Mitte der Saison #15 ist nun schon Lindy Ruff im Amt und wir sind mit der Arbeit des 55-jährigen Kanadiers sehr zufrieden. Ob und wie lang die beiden Coaches noch im Amt der jeweiligen Teams sein werden, kann jetzt nicht definitiv beantwortet werden.
Das ist eine klare Antwort mit den üblichen Antwortsätzen, wenn ein Coach in Frage gestellt ist. Die New Jersey Devils werden sich also auf dem Markt nach einem anderen Headcoach umsehen. Nach was suchen die Devils noch abseits eines neuen Coaches?
Um ehrlich zu sein sind die Planungen für die kommende Saison fast abgeschlossen. Zwingend suchen müssen wir nicht, wir werden aber noch einen Depth-Defender in den Garden State holen. Offensiv könnten wir bereits heute in die neue Spielzeit starten – wir wären bereit.
Bereit für was genau?
Bereit für die fünfte Saison in meiner „Regentschaft“, bereit für eine Saison, die ein weiterer Schritt am Weg in eine sportlich hoffnungsvollere Zukunft darstellen wird. Bereit für 82 Spiele gegen Kumpels und Kollegen, bereit für Rivalry-Games gegen Edmonton, Columbus und Co. Wir haben viele Dinge, auf die wir uns freuen.
Auf welche Dinge freut man sich besonders? Der anstehende Draft lässt die Devils an Position 3 zugreifen und den Rankings entsprechend dürfte hier ein Defender in Form von Noah Hanifin verfügbar sein. Das letzte Mal als die Devils einen Defender zogen endete das Kapitel Duncan Siemens nicht optimal. Schrecken die Devils vor einem Defender im Draft zurück?
Richtig, viele Blicke richten sich bereits auf den bevorstehenden Draft, auch wenn dieser erst in knapp vier Monaten über die Bühne gehen wird. Es wird allerdings der erste Draft sein, an dem ich auch live teilnehmen werde – ganz speziell! Wir haben in der Vergangenheit bewiesen, dass wir positionsunabhängig draften können und das werden wir auch heuer tun. Wir sind zurzeit in jenem Stadium, in welchem wir unsere Optionen durchgehen. Ein Verbleib an 3, ein Downtrade, ein Trade um einen zusätzlichen Top-Pick – es ist alles drin. Eins sei gesagt – Noah Hanifin würde unseren denitiv schon guten Defender-Pool nochmals gehörig aufwerten, nur kann ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf einen Spieler festlegen.
Vielleicht können Sie sich zumindest auf eine Zielvorgabe festlegen, wann die Devils das erste Mal konkurrenzfähig sein wollen?
Ich tu mir schwer, darauf eine konkrete Antwort zu geben, weil da einfach zu viele Faktoren mitspielen. Wir selbst hoffen, dass wir in der Offseason zwischen Saison #19 und #20 so weit sind, dass wir uns am freien Markt oder auch über Trades die nötigen Verstärkungen ins Boot holen können. Ein Team, welches NUR aus jungen Eigenbauspielern besteht, wird in dieser Liga keinen Erfolg haben. Wenn Sie aber definitiv eine Zahl hören wollen – dann Saison #20.
Schätzen Sie diese Aufbauzeit, also 6-7 Jahre, als normal für jedes Team ein oder ist das eine spezielle Situation in New Jersey?
Ich bin der Meinung, dass es für die Zeitspanne eines Rebuild unmöglich eine perfekte Anzahl von Jahren geben kann. Die Dauer eines Neuaufbaus hängt von so vielen Faktoren ab – man zieht in Runde 1 ein Supertalent, welches sich aus irgendwelchen Gründen so gar nicht in das entwickelt, was man will und schon ist man in seiner Planung wieder aus der Bahn geworfen worden. Prinzipiell sehe ich einen Zeitraum von vier Jahren als das absolute Minimum an, aber es kann auch viel länger sein – man sieht‘s ja bei den Devils.
Wenn wir beim Thema Planung sind: die Ligaleitung wird in Kürze bekanntgeben, dass die Devils der Ausrichter des Drafts 2016 sind. Freuen Sie sich schon auch Gastgeber am Draft sein zu können? Die ersten Tickets für 2016 seien schon gebucht, wie man überall hören kann.
Wir stecken gerade mitten in den Planungen für diesen prestigeträchtigen Event. Natürlich freuen wir uns, den 2016 vor Ort draftenden GMs, ein paar schöne Tage hier zu bieten. Ich hab keine Ahnung ob schon alle mal in Österreich waren, aber hier gibt’s echt ein paar nette Plätzchen, die einen Trip auf jeden Fall rechtfertigen. Sobald die Planungen, die sich Großteils mit der Location des Drafts und der Unterbringung der Kollegen beschäftigen, abgeschlossen sind, wird es von uns auch eine offizielle Nachricht an die gesamten Managements geben. Wird der Draft 2016 definitiv hier in Österreich steigen, so werden wir uns bemühen, ein sehr guter Gastgeber zu sein.
Das Interview wurde geführt von den Edmonton Oilers
